Die Federal Communications Commission (FCC) entscheidet über die Zukunft der Netzneutralität in den USA. Und alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Netzneutralität abgeschafft werden wird. Vor der Abstimmung konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung bei der FCC abgeben. Das geschah 21,7 Millionen Mal – doch wie das Pew Research Center herausfand, stammten nur sechs Prozent der Kommentare von echten Menschen. Beim Rest bestehen erhebliche Zweifel an der Authentizität.
Die automatisierten Programme hatten es leicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung, denn die FCC verzichtete auf gängige Überprüfungen und Hürden. Dabei ist zu bedenken, dass die FCC gesetzlich dazu verpflichtet ist, Stellungnahmen von Bürgern zu berücksichtigen.
Im Artikel auf SZ.de heißt es weiter:
Im schlimmsten Fall hat ein Bot nicht nur eine Fantasie-Identität, sondern spricht im Namen eines realen Menschen. Bereits im Fall der FCC-Konsultation wurden Hunderttausende Namen und Adressen von Bürgern benutzt, um im Schein ihrer geraubten Identitäten Kommentare gegen die Netzneutralität abzusondern. Sogar die Namen von Verstorbenen wurden benutzt. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der Eric Schneiderman, den Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, auf den Plan rief. Allerdings findet er kaum Unterstützung durch die FCC. In einem offenen Brief beklagte Schneiderman, dass er trotz unzähliger Bitten um Mithilfe von der nun republikanisch dominierten Behörde keine Antwort erhalten habe.
Schon im Oktober hatte die BBC berichtet, dass die überwiegende Mehrheit der maschinell erstellten Eingaben bei der FCC sich gegen die Netzneutralität stellte. Die Flutung der FCC mit Bots wirft auch Fragen auf: Sind Regierungskonsultationen im Netz überhaupt noch hilfreich? Was ist eine Online-Petition wert, wenn unklar ist, ob überhaupt Menschen hinter der „Unterschrift“ stehen? Ist ein Kommentar unter einem Artikel von einem echten Menschen verfasst? Und was bringen überhaupt Online-Umfragen, wenn ich massenhaft maschinell abstimmen kann?
Die SZ schlussfolgert deswegen:
Demokratie ist ohne den trägen Körper des Bürgers nicht zu haben. Er geht zur Wahl, demonstriert auf der Straße, besucht die Bürgersprechstunde oder leistet politische Basisarbeit. Der Körper ist der untrügliche Beweis dafür, dass tatsächlich ein Bürger spricht – und kein Trollbot.
